Ausscheidungskämpfe zu den Schweizermeisterschaften der Eliteboxer in Thun

«Zurück

17.11.2019 16:03 Uhr
Jack Schmidli

Ausgezeichnete Stimmung, teils sehr gute Kämpfe und wie gewohnt eine professionell organisierte Veranstaltung durch das Box-Team Thun-Oberland - das sind die Stichworte zu den gestern in Thun durchgeführten Ausscheidungskämpfen zu den Elite-Schweizermeisterschaften 2019. In 22 Duellen (Vorjahr 25) kämpften 38 Männer und 6 Frauen um die Qualifikation zu den Halbfinalkämpfen, welche am nächsten Samstag in Martigny über die Bühne gehen werden. Sehr überzueugend in Szene setzen konnten sich Nahom Anday (Boxing Kings Bern), Jason Kuogo (BC Frauenfeld) und Attila Varga (NAB Frenkendorf).

Zu den Meisterschaften angemeldet haben sich 50 Herren und nicht weniger als 22 Frauen. Zahlreiche Boxerinnen und Boxer werden erst am nächsten Samstag in Martigniy in den Wettbewerb eingreifen.

Die Kämpfe im Telegrammstil

Frank Naef (Lausanne Boxing Institut) siegte im ersten Kampf des Nachmittags gegen Muhammed Temizer vom BC Rheintal Au mit 4:1 Richterstimmen nach Punkten. Naef gewann auch den zweiten Halbweltergewichts-Kampf gegen Hysen Pérzhaku (BC Winterthur) nach Punkten und steht am nächsten Samstag gegen Jason Kuogo im Halbfinal. Ein Versprechen für die Zuikunft ist Nahom Andasy (Boxing Kings). Der wie sein Gegner Sem Redai aus Eritrea stammende Bantamgewichtler liess seinem Landsmann keine Chance und besiegte diesen durch Abbruch (RSC) in der 2. Runde. Dieser Kampf war bemerkenswerterweise das einzige Duell des Tages, das vorzeitig abgebrochen werden musste. Collins "The African Lion" Ojal, der hünenhafte Super-Schwergewichtler vom Box-Club Glattbrugg, will an diesen Meisterschaften seinen im Vorjahr gewonnenen Titel verteidigen. Er besiegte den robust kämpfenden Stefan Rumpold, Ex-Schweizermeister im Schwergewicht, in einem etwas "knorzigen" Kampf knapp mit 3:2. Collins wird am 30. November in Basel erstmals als Profi in den Ring steigen. Der Leader der "Robert Nicolet Trophy", Jason Kuogo, enttäuschte nicht und schlug den sehr erfahrenen Zürcher Leopold Schwarzwald einstimmig nach Punkten. Jason ist ohne Frage ein Talent. Ebenfalls einen starken Eindruck hinterliess Christopher Mouafo (BC Biel). Er besiegte Adrian Garcia (Arnold BoxFit) mit 5:0. Wie erwähnt steht Jason am Samstag in Martiny im Halbfinale gegen Frank Naef. Mouafo seinerseits wird gegen Rameez Rahimi um den Finaleinzug kämpfen.

Da der BC Martigny die Halbfinal- und die Finalkämpfe durchführen wird, ist der Einzug von Rameez Rahimi (knapper 3:2-Punktesieg gegen Brian Carodevilla vom BC Winterthur) für den Club besonders erfreulich. Allerdings erwartet ihn gegen Christopher Mouafo eine Herkulesaufgabe. Nichts anbrennen liess die quierlige Baslerin Nadia Barriga (Box-Team Basel) im Federgewicht gegen Natacha Baud-Grasset (BC Nyon). Die Schweizermeisterin von 2015 und 2017 gewann einstimmig nach Punkten. Im Leichtgewicht bringt der BC Martigny (wie Rameez Rahimi) auch Pranvera Chappaz ins Halbfinale. Sie siegte eher überraschend  gegen die Schweizermeisterin von 2015, Sara-Joy Rae (BT Basel) mit 3:2 äusserst knapp nach Punkten. Einen weiteren Erfolg durfte das Box-Team Basel im Halbweltergewicht feiern. Tina Asmussen gewann gegen Ana Marija Milisic (BC Kreis 9) klar nach Punkten. Viel Unterhaltung boten dem Publikum Ilyas Ivgen (BR Baden), der zum 50. Mal in den Ring stieg und Stefan Waldner (Boxing-Kings). In einem weiteren sehenswerten Weltergewichtskampf im Viertelfinale siegte Max Schwendimann vom BC Basel, lautstark untersützt von Angelo Gallina, gegen Slavko Krzaric (Scorpion Gym Schaffhausen) nach Punkten.

Nach der zweiten Pause kam es im dritten Weltergewichts-Viertelfinale gleichzeitig zum boxerischen Höhepunkt des Nachmittags. Mit einer Topleistung besiegte der Krienser Attila Varga (NAB Frenkendorf) seinen ebenfalls reputierten und erfahrenen Gegner Yves Tazi aus Genf einstimmig nach Punkten. Was Attila im Ring bot war Unterhaltung vom Feinsten: Schnelle Hände, überfallartige Angriffe, flinke Beine, Tricks und Finten sowie eine überzeugende Verteidigungsarbeit gehörten zu seinem Repertoire. Im vierten Kampf bis 69 Kilogramm bot Francesco Licchetta vom BC Rheintal Au eine reife Leistung. Nachdem die erste Runde an den stürmisch und unorthodox kämpfenden Jones Anday (Boxing Kings) ging, drehte sich das Blatt ab dem zweiten Durchgang und Licchetta, der sein Box-Handwerk versteht, gewann die zweite und die dirtte Runde überlegen. Eine schwache Leistung - auch aus Sicht von Sport-Manager Matthias Luchsinger - bot im Mittelgewicht der Schweizermeister von 2017, Angel "Floyd" Roque. Es gelang ihm gegen Alex Sträuli (BC Glattbrugg) nicht, sein Leistungsvermögen abzurufen. Trotzdem siegte Angel einstimmit mit 5:0 Richterstimmen. Seine besten Tage hat der 38-jährige Henry Saliku-Biembe (NAB) wohl hinter sich. Gegen Banjamin Claude (BC Versoix), den Schweizermeister von 2016, reichte es aber zu einem ungefährdeten Sieg. Zusamen mit Roque und Mika Reichen (der Basler siegte gegen Fuat Zenuni, BS Gebenstorf, einstimmig nach Punkten) steht er am nächsten Samstag im Mittgelgewichts-Halbfinale. Im Halbschwergewicht bis 81 Kilogramm siegten Mathieu Heizmann (United Boxing) und Antoine Fèvre (BC Genevois) gegen Levin Türküm (BC Kreis 9) bzw. Mahmut Yilmaz (KSSB Boxing) und stehen am nächsten Samstag  in Martigny ebenfalls im Halbfinale. Eine bemerkenswerte Leistung bot Jonas Kaspar Marti (BA Bern), der nach 4-jähriger Ringabstinenz im Juni erstmals wieder ein (siegreiches) Comeback gab, gegen Felix Montano (BC Locarno). Alle Punktrichter votierten für Marti. Ebenfalls im Schwergewicht bis 91 Kilogramm kämpften der Titelverteidiger Jordan Biloa (Scoripion Gym) und Mark Tinay vom Box-Club Bern. Obschon Tinaj alles gab, musste er den Sieg Biloa überlassen. Der junge Berner Fabio Buffolino, Deutschschweiz- Tessin- und Jugend-Schweizermeister 2019, wird am nächsten Samstag gegen Titelverteidiger Jordan Biloa um den Schwergewichts-Titel kämpfen. Der Halbfinaleinzug erfolgt jedoch ohne boxerische Leistung - sein Gegner gab Forfait (WO).

Halbfinalpaarungen