Elite-Schweizermeisterschaften 2019. Der Bericht

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24.11.2019 23:28 Uhr
Jack Schmidli

Bereits sind die Elite-Schweizermeisterschaften 2019 wieder Geschichte. In Martigny standen heute Sonntag 14 Final-Kämpfe auf dem Tableau, wovon es bei zwei Kämpfen nicht um den Titel ging, da für die Verleihung des Meistertitels mindestens drei Boxer*innen an den Start gehen müssen. Überraschungen blieben sowohl bei den Halbfinals als auch bei den heutigen Finalkämpfen aus. Souveräner Mannschaftsmeister wurde NAB Frenkendorf. Die Baselbieter übernahmen den Meisterpokal vom Box-Club Glattbrugg, dem die Ehre im letzten Jahr zustand.

Gestern Samstag ging s bei den Halbfinalkämpfe in Martigny um den Einzug in den Final. Sämtliche Favoritinnen und Favoriten konnten sich mehr oder weniger souverän durchsetzen. In bester Erinnerung bleiben die Kämpfe von Angelo Pena (er besiegte den erfahrenen Lokalmatadoren Julien Baillifard klar nach Punkten), Jason Kuogo (er liess dem mehr als doppelt so alten Veteranen Frank Naef aus Lausanne nicht den Hauch einer Chance), Attila Varga (in einem vergleichsweise hochstehenden Kampf bezwang er den starken Rheintaler Francesco Licchetta nach Punkten), Fabio Buffolino (der erst 18-jährige besiegte den letztjährigen Meister Jordan Biloa aus Schaffhausen, konnte aber leider wegen nachträglich aufgetretenen gesundheitlichen Problemen nicht zum Finalkampf antreten, weshalb Biloa zum Finalkampf zugelassen wurde), sowie Collins «The African Lion» Ojal, der gegen Hansen Ewene aus Winterthur bewies, dass er mächtig Dampf in den Fäusten hat und durch Abbruch des Ringrichters in der 2. Runde (RSC) gewann. «The African Lion» wird am nächsten Samstag im Casino Basel seinen ersten Profikampf gegen den Serben Aleksandar Radivojevic bestreiten.

Die Finalkämpfe im Telegrammstil

Ana Cardoso (BC Bern) gewann gegen Romiel Sommer (BS Gebenstorf) souverän mit dem Score von 5:0. Der Meistertitel konnte ihr aber aufgrund der erwähnten Reglung nicht verliehen werden (im Bantamgewicht meldeten sich nur zwei Boxerinnen für die Meisterschaften an). Die selbstbewusste und sicht- und spürbar boxfreudige Nadia Barriga (Box Team Basel), die sich vor Wochenfrist in Thun gegen Natacha Baud-Grasset souverän durchgesetzt hatte, gelang gegen die EM- und WM-erprobte Eliana Pileggi ein äusserst knapper und je nach Standpunkt des Betrachters mehr oder weniger umstrittener Sieg (3:2). Unbestreitbar ist jedenfalls, dass die eher klein gewachsene Eliana ihr Potenzial in der angestammten Gewichtsklasse, dem Bantamgewicht (51 Kilogramm), viel besser entfalten kann. Eine grosse Überraschung gelang Sem «Sämi» Redai vom BC Winterthur. Nach seiner vorzeitigen RSC-Niederlage in Thun gegen Nahom Anday (Boxing Kings) besiegte er den gleichen Gegner am heutigen Sonntag einstimmig nach Punkten. Dieser Zweitkampf kam zustande, weil in Bantamgewicht lediglich drei Boxer an den Start gingen. Einer der Höhepunkte war das Leichtgewichts-Gefecht zwischen dem talentierten Boxing-King Angelo Pena und dem Mitglied des SwissBoxingTeam, Tiago Pugno (NAB). Beide Boxer kämpften verbissen um den Sieg. Obschon auch Tiago durch gute Aktionen zu überzeugen wusste, siegte am Ende des Kampfes Angelo einstimmig mit 5:0.

Dem BC Martigny, der die Elite-Meisterschaften sehr professionell und zur grossen Zufriedenheit von SwissBoxing-Präsident Andreas Anderegg organisierte, war die Goldmedaille, die Pranvera Chappaz vom BC Martigny im Leichtgewicht gegen Laurène Rochat (FD Boxing) erkämpfte, sehr zu gönnen. Tina Asmussen (BT Basel) qualifizierte sich mit ihrem Sieg in Thun gegen Ana Milisic  (BS Freis 9) für den heutigen Final. Da ihre Gegnerin krankheitsbedingt Forfait erklären musste, kam Tina im Halbweltergewichtsfinal der Frauen kampflos zum Meisterinnentitel. Einer der besten Kämpfe lieferten sich heute Nachmittag der erst 18-jährige Jason Kuogo (BC Frauenfeld) und Christopher Mouafo vom Box-Club Biel. Die beiden Halbweltergewichtler legten eine beachtliche Workrate an den Tag, sie duellierten sich auf Augenhöhe. Das Urteil fiel daher denkbar knapp aus: Jason siegte mit dem Skore von 3:2. Weniger elegant bzw. "The Noble Art" eher unwürdig, kämpften Ilyas Ivgen (BR Baden) und Attila Varga (NAB) gegeneinander. Die Auseinandersetzung bestand mehr aus Halten, Drücken und Klammern, was den Zuschauerinnen und Zuschauern sichtlich missfiel. Dank der grösseren Anzahl Treffer wurde Attila Varga mit dem Skore von 4:1 zum Schweizermeister im Weltergewicht erklärt. Mit ihrem Sieg im Weltergewicht gegen die strategisch boxende Bernerin Marina Binggeli erkämpfte sich Sandra Brügger, die in der Schweiz seit vielen Jahren das Mass aller Dinge darstellt, bereits ihren 10. Schweizermeister-Titel! Ebenfalls ohne den Titel ging es im Duell zwischen der Luzernerin Anna Jenni und Stefania Rohrer (NAB), das Stefania mit 4:1 Richterstimmen für sich entschied. Gespannt sein durfte man auf die Begegnung im Mittelgewicht zwischen Angel «Floyd» Roque (BC Zürich) und Herry Saliku-Biembe (NAB). Nach zwei verlorenen Kämpfen gegen Roque wollte Saliku am heutigen Sonntagnachmittag endlich seinen ersten Sieg gegen den Kaderboxer aus der Domenikanischen Republik erringen. Entsprechend fokussiert ging er den Kampf an. Doch gegen den talentierten Modellathleten Roque war auch heute kein Kraut gewachsen. Auf schnellen Beinen entzog sich Angel geschickt den Angriffen des Afrikaners und gewann mit einem klaren Punkteverdikt auch das dritte Duell.

Ohne grössere Mühe errang der Locarnese Georgi Svechev den Meistertitel im Halbschwergewicht gegen Antoine Fèvre (BC Genevois). Das Kampfgericht erkannte ihn mit dem Skore von 5:0 zum klaren Sieger. Einigermassen überraschend war der Sieg des Schwergewichtlers Jonas Marti (Box-Academy Bern) gegen den Vorjahresmeister Jordan Biloa (Scorpion Gym Schaffhausen). Marti feierte nach vierjähriger Ring-Abstinenz im Juni dieses Jahres in Wil ein erfolgreiches Comeback. Dass er nur fünf Monate später den Schweizermeister von 2018 in die Schranken verweisen würde, hätten dem Berner wohl nur wenige zugetraut. Biloa bekundete sowohl am Samstag als auch am heutigen Sonntag konditionelle Defizite. Im letzten Kampf des Nachmittags, dem Super-Schwergewichtsduell zwischen Collins «The African Lion» Ojal (BC Glattbrugg) und Marc Delley (United Boxing) war rasch klar, wer der beiden den prestigeträchtigen Schweizermeistertitel nach Hause nehmen würde. Nach zwei Niederschlägen in der ersten Runde hatte Ringrichter Pierre-Alain Schneeberger ein Einsehen und nahm den hoffnungslos überforderten Delley aus dem Kampf.

Resultatübersicht