Bruno Arati – ein Stern am Schweizer Boxhimmel ist erloschen

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10.12.2018 18:57 Uhr

Bruno Arati (16. September 1953 – 8. Dezember 2018) hat die Schweizer Boxszene nachhaltig mitgeprägt. Am 8. Dezember wurde er nach einer tapfer ertragenen Leidenszeit von seiner schweren Krankheit erlöst. Wir freuen uns mit ihm über den himmlischen Frieden, aber wir sind traurig. Tieftraurig.

Bruno Arati hat Schweizer Boxgeschichte geschrieben. Als Boxer, als Profiboxer, als Trainer und als Club-Gründer und Manager. Arati ist im Berner Fischermätteli-Quartier aufgewachsen.Nach der Schulzeit im Munzinger-Schulhaus und nach einer erfolgreichen Lehre als Serigraphhat er die berufliche Karriere gestartet. Schon bald aber wurde das Boxen für ihn zu einem zweiten Lebensmittelpunkt. Der Berner Erfolgstrainer Charly Bühler formte ihn im legendärenAthletic-Box-Club Bern (ABCB) zu einem Spitzenamateur. Das zahlte sich in den Resultatenaus. 1973 wurde er ein erstes Mal Schweizermeister im Mittelgewicht und mit dem Schweizermeister-Titel 1978 rundete er seine Karriere im olympischen Boxen ab. Bühler, der das Potenzial des dynamischen Schützlings richtig einschätzte, nahm ihn nach seiner Amateurkarriere sofort als Berufsboxer unter Vertrag. Am 9. November 1978 gewann Arati in Bern gegen den Spanier Ignacio Gorostidi seinen ersten Profikampf. Nach 14 Kämpfen als Berufsboxer legte der Berner das Fundament 1982 für eine erfolgreiche Zukunft. Die Box-Ausbildung wurde zu seinem neuen Schwerpunkt. In Eigenregie oder mit Partnern gründete ermehrere Clubs (Box-Fit, Box-Ring Bern, Box-Club Bern) und stand diesen als Cheftrainer oder Manager vor.

«Boxen ist eine ehrliche Sportart» so brachte es Bruno in Interviews auf den Punkt. Der Box-Ring Bern wurde in die Boxing Kings integriert und Arati zu einem Coach von internationaler Ausstrahlung. Seine Boxer kämpften um bedeutende Titel und die Schweiz wurde dank ihm zur Plattform grosser Kämpfe. Schon früh erkannte Arati auch das Potenzial des Frauen-Boxens. Das sollte sich auszahlen. Aniya Seki wurde unter seiner Führung zum internationalen Star und holte die wichtigsten Titel in verschiedenen Verbänden. Arati machte aus Seki die erfolgreichste Schweizer Profi-Boxerin. Er machte aber auch aus dem bekanntesten Schweizer Profi der letzten Jahre einen Mann, der beim Publikum für Begeisterungsstürme sorgte. Yves Studer, in 29 Kämpfen als Profi ungeschlagen, war 2008 mit dem EBU-EE-Titel-Gewinn ein erstes Mal auf internationaler Ebene erfolgreich. Studer war unter Arati so stark geworden, dass ihm die grossen Verbände keinen WM-Kampf anbieten wollten. Studer trat daraufhin zurück, aber Bruno Arati hatte bewiesen, dass seine Kämpfer zur Weltklasse gehörten.

Auch als Ausbildner im Breitensport hatte Bruno Arati grossen Erfolg. Seine Gym’s gehörten zu den besten Ausbildungsstätten im neuen Trend-Sport Boxen. Die Hobby-Boxer waren von seinen Trainings begeistert und stolz darauf, von Arati als Chef-Trainer in die Kunst des Boxens eingeführt zu werden.

Bruno Arati war aber nicht nur ein erstklassiger Box-Lehrer. Was ihn besonders auszeichnete, war ein Charisma, das nur wenige besitzen. Schon nach kurzer Zeit hatte man das Gefühl, ihn sehr gut zu kennen. Man fand sofort einen Draht zu einem erfolgreichen Mann, der trotz aller Erfolge immer bescheiden blieb. So hart er im Training mit seinen Schützlingen umspringen konnte, so warmherzig war er als Freund.

Darum sind wir heute traurig. Wir haben einen grossen Freund verloren. Wir werden ihn sehr vermissen. Bruno Arati hat Geschichte geschrieben. Wir werden es nicht vergessen.

Ueli E. Adam