Nachwuchsmeisterschaften Schaffhausen. Der Bericht

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03.03.2019 20:47 Uhr

Jack Schmidli, 03.03.2019

Im März 2010 war der Box-Club Schaffhausen bereits einmal Ausrichter der Nachwuchsmeisterschaften. Und an diesem Wochenende war es wieder soweit. Gegen 100 Boxerinnen und Boxer hatten sich bei Meisterschaftschef René Schlachter für die Titelkämpfe ganz im Norden der Schweiz angemeldet. Gesamthaft bekamen die Zuschauer*innen 46 Kämpfe, davon 21 am heutigen Sonntag, zu sehen. Leider konnten mangels Einschreibungen und zu grossen Gewichtssunterschieden keine Frauenkämpfe ausgetragen werden. Mannschaftsmeister wurde Noble Art Boxing (NAB) Frenkendorf. Nicht weniger als sieben Jungboxer dieses Clubs standen bei den heutigen Finalkämpfen im Einsatz.

Das Engagement aller Akteure war riesengross und auch die Gewissheit, künftig weiterhin talenterte Boxer hervorzubringen, bleibt manifest. Die Stimmung in der Dreifachsporthalle Breite war sowohl am gestrigen Samstag als auch heute Sonntag ausgezeichnet. Die Organisatoren überliessen nichts dem Zufall und überzeugten – wie vor neun Jahren – mit professioneller Arbeit. Verbandstrainer Michael Sommer war mit der Mehrzahl der Kämpfe zufrieden und hat den einen oder anderen Jungboxer im Visier für künftige PISTE- und Athletik-Wochenenden in Frenkendorf.

Die Kämpfe im Telegrammstil:

Kadetten (13-14 Jahre)

Die erste Goldmedaille von heute Sonntag ging an Cristian Tasso (NAB). Tasso gewann in der Kadettenklasse bis 38 kg mit 4 zu 1 Richterstimmen nach Punkten. Ein erstes absolutes Highlight bekamen die Zuschauer*innen beim Kampf zweiten Finalkampf (-44 kg) zwischen Enkelan Halimi (FR Biel/Bienne) und Maxime Volkov (CP Carouge) zu sehen. Vor allem was Volkov zeigte, war absolute Klasse. Der 14-jährige manifestierte zum grossen Erstaunen der Anwesenden Boxen vom Feinsten: Erstklassiges Schlagrepertoire, Schlagen von Serien à la Humberto Soto. Extrem flink auf den Beinen, gutes Auge und exzellente Meidbewegungen.

Neuentdeckung im Nachwuchs: Maxime Volkov (l.) vom CP Carouge.

Michael Sommer: «Ich habe mit Maxime’s Vater bereits gesprochen. Wir werden den Jungen zur PISTE einladen. Einen ungefährdeten Sieg fuhr Diego Ozan Pereira (NAB) gegen Matteo Franco Rauch vom BC Locarno ein. Die Punktrichter*innen voteten einstimmig für den für sein Alter schon recht erfahrenen Boxer in der Roten Ecke. Das clubinterne Gefecht zwischen Michele Stadler und Matteo Franco Rauch (beide Locarno, Gewichtsklasse Leichtgewicht bis 57 kg) entschied der überlegene Stadler durch RSC (Referee Stopps Contest) in der 2. Runde für sich. Zu einem in jeder Phase des Kampfes ungefährdeten Sieg im Halbmittelgewicht (bis 66 kg) kam Arthur Luginbühl (BC d’Octodure) gegen Mateo Benic (CB Yverdon les Bains).

Wie im Vorjahr wurde Arthur Luginbühl (BC d'Octodure) auch in diesem Jahr Nachwuchsmeister bei den Kadetten (links im Bild sein Trainer Philippe Abate).

Junioren (15 – 16 Jahre)

Yanis Medina (NAB) wusste seine Körpervorteile gegen Daniel Modena (BC Winterthur) gut zu nutzen und gewann den Fliegengewichtskampf ungefährdet mit 5 zu 0 Richterstimmen. Jérôme Haller (SR St. Gallen) wurde bei seinem Federgewichts-Kampf gegen den Locarnesen Junior Marques von seinen zahlreichen Fans vehement angefeuert. Nach spannendem Kampf kam es zu einer äussert knappen Entscheidung. Der Junge aus dem Süden gewann mit 3 zu 2 Richterstimmen.

Manifestiert sein Talent gegen Daniel Modena, der Frenkendorfer Yanis Medina.

Ziemlich ausgeglichen verlief der Leichtgewichtskampf zwischen dem Schaffhauser Tin Loncar und Micaele Raineri (AP Ticinese) mit dem besseren Ende für den Tessiner (5:0 Sieg). Sehr kämpferisch zeigte sich Félix Meier (Fight-District Boxing) im Halbweltergewicht gegen Nahom Chagnon (Olympic BC Genève). Meier machte von A bis Z den Kampf und wich während der gesamten Kampfdauer keinen Millimeter von seinem Gegner. Dieser hielt zwar gut dagegen, konnte aber die einstimmige Punkteniederlage nicht verhindern.

Auch Félix Meier durfte sich wie im Vorjahr zum Schweizermeister bei den Junioren küren lassen.

Kurzen Prozess machte im Halbmittelgewichtskampf Ali Aliji (FR Biel/Bienne) mit Himzo Suljnic (CB Yverdon les Bains). Der bedauernswerte Romand wurde vom Ringrichter bereits in der 1. Runde aus dem Kampf genommen. Im Kampf um den Titel im Halbschwergewicht wusste Milos Paunovic (BC Glattbrugg) seinen furios anrennenden Gegner Adam Ouladi (Boxgène Academy) immer wieder gekonnt zu kontern, was von den Ringrichtern mit einem glatten 5 zu 0 – Sieg belohnt wurde.

Jugend (17 – 18 Jahre)

Einen der besten und ereignisreichsten und spannendsten Kämpfe zeigten Hady Tlays (Boxgène Academy) und Marvin Luigi Guerini (BC Asona) im Bantamgewicht bis 56 kg. Als ginge es um Leben und Tod droschen die beiden Jungboxer auf sich ein und manifestierten dabei eine exzellente konditionelle Verfassung. In der 3. Runde musste der Tessiner jedoch seinen Bemühungen Tribut zollen und nach zweimaligem Anzählen durch den Ringrichter aus dem Kampf genommen werden.

Hady Tlays (r, Boxygêne Academy) und Marvin Luigi Guerini (BC Ascona) feuerten aus allen Rohren. Am Ende der 3. Runde brach der Ringrichter den Kampf zu Gunsten von Tlays ab.

Etwas weniger stürmisch liessen es Granit Memisi und Nahom Anday (beide NAB) nach der zweiten Pause im Leichtgewicht angehen. Das Kampfgericht erklärte Nahom zum 4 zu 0 Punktesieger (ein Kampfrichter wertete den Kampf unentschieden).

Hartes aber erfreuliches Weekend für Jason Juogo vom BC Frauenfeld. Der Halbweltergewichtler gewann gestern und heute vier Kämpfe.

Nicht weniger als vier Mal stieg der von Engjen Toma trainierte Frauenfelder an diesem Wochenende in den Ring. Nach einem aktionsreichen Kampf siegte das Ostschweizer Talent gegen Alned Maloku (BC Martigny) im Finalkampf durch Abbruch in der 3. Runde. Zu recht freuten sich Boxer, Trainer und deren Entourage euphorisch über den Sieg. Nach diesen vier Siegen und dem Gewinn des Meistertitels im Halbweltergewicht konnten Jason 60 Punkte in der "Robert Nicolet Trophy" gutgeschrieben werden. Diese führt er nun mit 90 Punkten überlegen an. Das Jahr ist allerdings noch jung.

Obschon Jan Dietrich (BT Thun Oberland) eine gute Grundschule erkennen liess, musste der Berner Oberländer den Sieg im Weltergewichts-Duell dem Boxer vom SR St. Gallen, Sirag Al Maliki, überlassen (5:0).

Machte kurzen Prozess: Korcan Capar (l.) zwang Zouaimia's Ecke bereits in der 1. Runde zur Aufgabe.

Wie von der Tarantel gestochen stürmte Korcan Capar (NAB) im Mittelgewichtsduell auf Malik Loic Souaimia (Olympic BC Genève) los und bearbeitete diesen mit Serien zu Körper und Kopf. Die Auseinandersetzung währte nicht lange. Kurz nach Beginn des Kampfes nahm der Ringrichter den Romand aus dem Kampf. Angriffslustig, dynamisch und explosiv zeigte sich der Basler Leon Guggenheim (nicht verwandt mit dem bekannten Schweizer Ringrichter Fabian Guggenheim) im Halbschwergewichts-Kampf gegen den Berner Joêl Janis Oesch (BC Bern). Obschon Oesch in der 2. Runde einige sehenswerte Akzente setzen konnte, musste er sich dem von Kulttrainer Angelo Gallina trainierten Gymnasiasten ohne Wenn und Aber geschlagen geben (5:0). 

Gewann den Kampf im Weltergewicht einstimmig nach Punkten: Al Maliki Sirag (r.).

Der Schwergewichtskampf zwischen Fabio Buffolino (BK Boxring Bern) und dem Frenkendorfer Simon Sidar Taklu  endete mit einem 4 zu 1  Punktesieg für den Berner. Zu beissen hatte der 111-Kilo-Brocken Amel Music im Super-Schwergewicht gegen Mensur Jonuzi (FR Biel/Bienn). Zwar kam er mit dem rechten Schwinger im letzten Kampf der Meisterschaft immer wieder durch, konnte aber nicht grösseren Schaden anrichten und musste sich dem konditionell fitteren Seeländer mit 4 zu 1 Richter*innen-Stimnmen geschlagen geben (4:1).

RESULTATE

Weitere Fotos (Fotograf Christian Bolli)



Traduction suivra