Boxen statt Theater

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02.06.2019 20:12 Uhr

Gregor Stadelmann (Text) und Ueli E. Adam (Fotos), 02.06.2019

Mit einer gelungenen Veranstaltung im Stadttheater Bern bestätigten Leander Strupler und sein Team einmal mehr, dass SWISS PRO BOXING der führender Boxveranstalter der Schweiz ist. Zu betonen ist, dass zwei Kämpfe von Blick per Streaming einem grösseren Publikum zugänglich gemacht wurden.

Die Medienresonanz war schon im Vorfeld gross, so berichteten einzelne Medien wie beispielsweise Ringier mit dem talentierten Journalisten Emanuel Gisi bereits im Vorfeld mehrmals über die Veranstaltung.

Mit vier Profikämpfen war die Fightcard hochkarätig besetzt. Betont werden muss jedoch auch der Amateurkampf mit Angelo Peña. Der junge Berner, welcher vor kurzem das wichtige Turnier in Montana in Paris gewinnen konnte, hat das Potential, Grosses zu erreichen.

Ricardo Silva (CH) vs. Andranik Hakobyan (CH) Schweizermeisterschaft im Weltergewicht

Der Kampf hätte ohne Zweifel das Highlight des Abends werden sollen. Vor knapp einer Dekade standen sich die beiden Athleten bereits in zwei Duellen gegenüber, wobei jeder einmal gewinnen konnte. Nun duellierten sich die zwei Stylisten als Profis erneut.

Agierten (zu) vorsichtig und konnten die Erwartungen des Publikums nicht erfüllen: Ricardo Silva und Andranik Hakobyan (r.).

Leider enttäuschte das Duell. Beide Boxer neutralisierten sich mit ihren defensiven Fähigkeiten. Ricardo Silva setzte nur wenige Akzente und überliess die Kampfführung mehrheitlich Andranik Hakobyan. Die Runden waren aber oft eng. Beide Boxer bewegten sich viel und versuchten, Einzelhände ins Ziel zu bringen. Während der Badener gute Schläge zum Kopf landen konnte, traf der Tessiner im Gegenzug den Körper seines Gegners.

Am Schluss entschieden sich die Punktrichter durch Mehrheitsentscheid für ein Unentschieden. Somit durfte Ricardo Silva seinen Meistertitel im Weltergewicht behalten. Abschliessend bleibt die gute Leistung des Ringrichters Thomas Walser zu betonen, welcher den Kampf perfekt führte.

Alain Chervet (CH) vs. Edgar Jimenez (MX) 6 Runden à 3 Minuten im Leichtgewicht

Alain Chervet ist einer der besten Boxtechniker der Schweiz. Nur mit genügend Druck lässt sich die Entfaltung des Berners verhindern. Der Mexikaner, welcher in seinen letzten Kämpfen im Bantam- respektive Federgewicht antrat, konnte den Wechsel der Gewichtsklasse mit seiner Tapferkeit nicht kompensieren. Zwar versuchte Edgar Jimenez immer wieder überfallsartig den Berner mit seinen Angriffen zu überraschen. Jedoch war Alain Chervet zu abgeklärt, boxte konsequent die vorgegebene Strategie seiner Ecke seiner Trainer Istvan Szili und Dale Rosenkranz und gewann jede Runde.

Galt im Vorfeld als "mutige Gegnerwahl", hatte gegen Alain Chervet aber keinen Stich: Edgar Jimenez (l.).

Nach acht Runden werteten die Punktrichter den Kampf einstimmig mit 80:71 Punkten. Für Alain Chervet wäre der Gewinn eines Schweizermeistertitel im Leichtgewicht mittelfristig sicherlich eine Option. Mit dem Aargauer Alfred Kqira stünde auch ein passender Gegner im Leichtgewicht zur Verfügung. Wir dürfen also auf die nächsten Kämpfe des Berners gespannt sein. Unterhaltsam sind sie immer.

Aniya Seki (CH) vs. Ivanka Ivanova (BG) 6 Runden à 3 Minuten im Bantamgewicht

Aniya Seki beabsichtigt, im Herbst einen WM-Kampf zu bestreiten. Aktuell bereitet sie sich mit ihrem neuen Trainer Haki Haidari auf diesen Anlass vor. Daher wurden auch mehrere Aufbaukämpfe geplant. Einer davon fand an der Veranstaltung Boxen im Theater statt.

Nach zwei verschlafenen Runden drehte Aniya Seki (l.) auf und erzielte einen einstimmigen Punkte-sieg.

Die Bulgarin brachte kein beeindruckendes Palmares in den Ring. Jedoch war sie oft im Ausland und auch gegen starke Gegnerinnen angetreten. Nur zwei ihrer zehn Niederlagen verlor sie vorzeitig.

Ab dem ersten Gong war klar, dass die Bulgarin für einen Sieg nach Bern gereist war. Sie übte Druck aus und schlug gute Kombinationen. In der dritten Runde wachte Aniya Seki auf und kämpfte sich in den Kampf zurück. In den darauffolgenden Runden fand die Bernerin immer mehr das Rezept für die überfallartigen Angriffe der Bulgarin. Sie bewegte sich mehr und arbeitete mit den langen Geraden. Am Schluss entschieden sich alle drei Punktrichter mit 77:75 Punkten für Aniya Seki.

Vahram Khudeda (CH) vs. Konstantin Alexandrov (BG) 6 Runden à 3 Minuten im Mittelgewicht

Der Thuner kehrte nach einer Pause von 20 Monaten in den Ring zurück. Sein Gegner war ein Journeyman aus Bulgarien, welcher sein Geld primär mit Einsätzen in England verdient hatte und dort mehrheitlich über die Runden gegangen war.

Nach zwei Jahren Inaktivität siegte Vahran Khudeda (l.) souverän gegen Konstantin Alexandrov.

Schnell war klar, dass der Thuner nur ein bisschen Ringrost angesetzt hatte. Die Deckung war gut und die Meidbewegungen vorhanden. Nur bei seinen Angriffen konnte man vermuten, dass Vahram Khudeda fast zwei Jahre nicht mehr im Ring gestanden war. Erst ab der dritten Runde variierte der Thuner seine Schlaghärte besser und setzte nach guten Aktionen nach. Die Punktrichter werteten nach vier Runden einstimmig mit 40:36 Punkten.

Abschliessend gilt es, dem Team von Swiss Pro Boxing um Leander Strupler ein Kränzchen zu winden. Die hochstehende Veranstaltung in einem gelungenen Rahmen setzte neue Massstäbe und die Kämpfe überzeugten sportlich auf ganzer Linie. Für die Schweizer Boxfans bleibt zu hoffen, dass diese Eventidee fortgesetzt wird.

v.l.: Leander Strupler (Swiss Pro Boxing) Alain Chervet, Ring-Announcer Nico Pommerenke.



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