Geschätzte Mitglieder von SwissBoxing
Da sich das Jahr 2025 dem Ende zuneigt, ist es an der Zeit, Bilanz über eine aussergewöhnlich ereignisreiche Zeit für SwissBoxing zu ziehen. Dieser Rückblick beleuchtet die Erfolge, die bewältigten Herausforderungen und die Transformationen, die dieses entscheidende Jahr für den Schweizer Boxsport geprägt haben.
2025 in Zahlen: Ein historisches Wachstum
Die Statistiken des Jahres 2025 zeugen von einer beispiellosen Dynamik. SwissBoxing zählt nun mehr als 800 aktive Wettkämpfer im olympischen Boxen und hält diesen Kurs somit im zweiten Jahr in Folge. Um den zurückgelegten Weg zu ermessen, sei daran erinnert, dass diese Zahl vor 10 Jahren noch bei 337lag. Diese Steigerung von 137 % innerhalb eines Jahrzehnts stellt mehr als nur ein Wachstum dar: Es ist eine tiefgreifende Transformation unserer Disziplin.
Auch das Profiboxen steht dem in nichts nach, mit 40 aktiven Profiboxern in diesem Jahr, was die Attraktivität und Vitalität dieses Bereichs bestätigt.
Über 65 Veranstaltungen wurden 2025 in der gesamten Schweiz organisiert, was Tausende von Freiwilligen, Offiziellen und medizinischen Fachkräften mobilisierte. Diese Zahlen spiegeln die enorme Intensität der Aktivitäten unseres Verbandes wider.
Die internationale Wende: Von der IBA zu World Boxing
Das Jahr 2025 war geprägt von der Konsolidierung unseres Beitritts zu World Boxing, der 2024 von der Delegiertenversammlung beschlossen wurde. Diese strategische Ausrichtung mit dem Ziel, das Boxen in der olympischen Bewegung zu halten, konkretisierte sich Anfang 2025, als unser Beitritt finalisiert und validiert wurde. Später genehmigte das IOC die Aufnahme des Boxens in das Programm der Olympischen Spiele von Los Angeles 2028 sowie die vorläufige Anerkennung von World Boxing als internationaler Verband.
Um SwissBoxing näher an seinen neuen internationalen Dachverband zu bringen, empfing ich im Juni 2025 Boris Van Der Vorst in Genolier (Schweiz) zu einem vertieften und konstruktiven Gespräch über die Zukunft unseres Verbandes innerhalb von World Boxing. Dieses Treffen ermöglichte es unter anderem, solide Beziehungen zu unserem Weltverband zu knüpfen. Obwohl er bei den Wahlen im November nicht mehr antrat, verdient sein Wirken innerhalb von World Boxing und der olympischen Bewegung Anerkennung. Im Namen von SwissBoxing danke ich ihm für sein Engagement in den letzten Jahren und wünsche ihm viel Erfolg für seinen weiteren Werdegang.
Der Übergang erfolgte mit der Wahl von Gennadiy Golovkin (GGG) zum Präsidenten von World Boxing im November 2025. Ich hatte die Ehre, ihn und sein Team zu treffen und konstruktive Gespräche zu führen, die unsere künftige Zusammenarbeit leiten werden. Bereits zuvor, während der Weltmeisterschaften in Liverpool, ermöglichte meine Anwesenheit die Stärkung unserer bilateralen Beziehungen zu den uns umgebenden Schlüsselföderationen wie Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich. Über diese Nachbarschaftsbeziehungen hinaus konnten auch Verbindungen zu anderen Kontinenten gestärkt werden: Kasachstan, Usbekistan, USA, unter anderem. Diese diplomatischen Beziehungen sind essenziell für den Zugang unserer Athleten zu erstklassigen internationalen Wettkämpfen und Trainingslagern.
Eine gestärkte institutionelle Präsenz
SwissBoxing hat seine Verankerung in der Schweizer Sportlandschaft im Jahr 2025 gefestigt. Unser Verband war beim Swiss Olympic Forum im Mai, beim Sportparlament im November und beim prestigeträchtigen Event Team Spirit im Dezember vertreten, wo sich Politik und Sport begegnen.
Diese Präsenzen garantieren, dass SwissBoxing an den Entscheidungen beteiligt ist, die die Zukunft des Schweizer Sports formen. Unsere Beziehungen zu Swiss Olympic und dem Bundesamt für Sport (BASPO) haben sich im Laufe des Jahres vertieft.
Im Anschluss an die Delegiertenversammlung hat der Verbandsrat die Zusammenarbeit mit Swiss Olympic bezüglich der Revision unserer Statuten genehmigt – ein Projekt der institutionellen Modernisierung, das 2026 fortgesetzt wird. Eine detaillierte Mitteilung hierzu wird demnächst veröffentlicht.
Eine aussergewöhnliche internationale Saison
Allein der Zeitraum von September bis Dezember 2025 wird als einer der intensivsten der letzten Jahre für das SwissBoxing Team in die Geschichte eingehen. Die internationale Aktivität erreichte ein beispielloses Niveau.
Anna Jenni glänzte bei den Elite-Weltmeisterschaften mit einem 9. Weltranglistenplatz, bevor sie Gold beim prestigeträchtigen Tammer-Turnier in Finnland gewann, einem der am stärksten besetzten Termine im internationalen Kalender.
Zum ersten Mal entsandte SwissBoxing vier Athleten zu den U19-Europameisterschaften. Noemi Iuva erreichte das Viertelfinale und demonstrierte damit das Potenzial unseres Nachwuchses. Bei den U23-Europameisterschaften zeigten unsere zwei Vertreter starke Leistungen, wobei Timm Kellenberger das Viertelfinale erreichte und dort äusserst knapp (3:2) in einem für manche umstrittenen Urteil unterlag – ein Beweis dafür, dass unsere Jugend mit den besten Nationen mithalten kann.
Zwischen Spanien, Kasachstan, Dänemark, Kroatien, Brasilien und Deutschland sammelten unsere Athleten die für ihre Entwicklung unerlässliche internationale Erfahrung. Diese Strategie der maximalen Wettkampfexposition wird 2026 fortgesetzt und ausgebaut. Im Namen von SwissBoxing danke ich Moritz Hager (Chef Leistungssport) und Alain Chervet (Nationaltrainer) für ihre intensive Arbeit in diesem Bereich, die, auch wenn sie nicht für alle sichtbar ist, enorm ist. Ich bin zuversichtlich, dass wir diese positive Dynamik 2026 und darüber hinaus fortsetzen können.
Profiboxen: Dichte und Leistung
Mit 40 aktiven Boxern zeigt der Schweizer Profisektor eine erfreuliche Dichte.
Ich möchte die vorbildliche Konstanz von Faton Vukshinaj würdigen. Oft fernab des medialen Rampenlichts, das er verdienen würde, lieferte er Leistungen im Ring ab, die von allen anerkannt werden müssen: Nach seinem Kampf um den IBO-Weltmeistertitel im November 2023 zeigte er im November 2025 eine Leistung auf höchstem Niveau um den EBU-Silver-Europameistertitel. Ein starker Auftritt, der den Sieg verdient hätte.
Gratulation auch an Behar Sadiku, der durch seine Entwicklung beeindruckt und die aussergewöhnliche Gelegenheit hatte, am Trainingslager von Weltmeister David Benavidez in den USA teilzunehmen.
Der kürzliche Kampf um den WBC-Francophone-Gürtel zwischen Yoann Kongolound Angel Roque bot unserem Sport eine grossartige Bühne und bewies die Qualität unserer nationalen Duelle.
Schliesslich freue ich mich über den erfolgreichen Übergang unserer Talente aus der olympischen Schule. Ich denke an Adam Messibah, Felix Meier und Marwan Maslard, die zwischen 2021 und 2024 die Hoffnungen der Nationalmannschaft trugen und nun bei den Profis glänzen, ebenso wie Leonid Berisha, dessen Debüt bemerkenswert ist. Sie sind, zusammen mit all unseren lizenzierten Profis, die Botschafter des Schweizer Boxens.
Anpassung unserer Strukturen an das Wachstum
Der spektakuläre Anstieg der Teilnehmerzahlen erforderte 2025 bedeutende organisatorische Anpassungen.
Die Elite-Schweizermeisterschaften wurden zum zweiten Mal an zwei vollen Wochenenden ausgetragen. Die Nachwuchsmeisterschaften (Espoirs) verzeichneten einen absoluten Rekord mit über 100 Anmeldungen, eine Zahl, die die Frage nach der Entwicklung des Formats aufwirft. Die Technische Kommission arbeitet derzeit an einem Vorschlag, der 2026 vorgelegt wird.
Diese permanente Anpassung wird durch das aussergewöhnliche Engagement unserer Supervisoren, Ring- und Punktrichter, Zeitnehmer und Ärzte ermöglicht, die den reibungslosen Ablauf von über 65 Veranstaltungen in diesem Jahr sichergestellt haben. Ich möchte besonders den Weg von Benjamin Jagel hervorheben, der seine Entwicklung im internationalen olympischen Schiedsrichterwesen mit Teilnahmen an den Turnieren in Eindhoven sowie den U19- und U23-Europameisterschaften fortsetzt. Ich gratuliere insbesondere Fabian Guggenheim und Diana Drews-Milani, die weiterhin bei den grössten Kämpfen im Profiboxen amtieren. Ebenso gratuliere ich Bertrand Bossel, der im Oktober 2025 an der Ausbildung in Bogotá teilnahm, um bei WBO-Wettkämpfen amtieren zu können.
Bei 800 Wettkämpfern werden Fragen der Ethik und Sicherheit noch zentraler. Deshalb arbeitet SwissBoxing weiterhin eng mit Swiss Olympic und Swiss Sport Integrity zusammen, um ein gesundes, sicheres und ethischen Standards entsprechendes Umfeld zu gewährleisten.
Ausbildung: Der Nachfrage gerecht werden
Der Ausbildungssektor hat eine bedeutende Entwicklung erfahren. 2025 wurden zum ersten Mal 3 Ausbildungskurse für Wettkampftrainer organisiert statt nur einem einzigen.
Die Light Contact Boxing Association (LCBA) setzt ihre Entwicklung erfolgreich fort. Ich nutze die Gelegenheit daran zu erinnern, dass Light-Contact seit 2021 dank der Integration in das Jugend+Sport in Schulen praktiziert werden kann und somit einen spielerischen Einstieg in unsere Disziplin darstellt.
Kollegiale Führung und Expertise
Sämtliche strategischen Entscheidungen von SwissBoxing werden kollegial vom Verbandsrat und nicht einseitig getroffen. Ich danke jedem Mitglied für seine Expertise: Jack Schmidli (Profiboxen/Website/Instagram), Fabian Guggenheim (Offizielle/Reglemente), Hervé Kellenberger (Olympisches Boxen/Technik), Tobias Kroel (Medien), Davide Bianchi (Medizin), Michael Niederjohann (Marketing) und Pascal Brawand (Breitensport). Ich danke auch allen anderen Mitgliedern des Verbandsrats, die zu wichtigen Entscheidungsfindungen des Verbandes beitragen.
Kommunikation: Neue Ära und Ambitionen 2026
Der Start der Instagram-Seite @SwissBoxing_Team ist ein Erfolg mit 225'000 Besuchen in den letzten 3 Monaten. Konkrete strategische Ansätze wurden bereits den Kommissionen für Medien und Marketing präsentiert, um unsere Präsenz ab 2026 weiter zu intensivieren.
Diese internen Anstrengungen werden jedoch ohne eine starke audiovisuelle Landschaft nicht ausreichen. Deshalb positioniert sich SwissBoxing gegen die Initiative zur Senkung der Medienabgabe. Für Verbände wie den unseren bleibt der Service Public (SRG) ein unverzichtbarer Verbreitungskanal. Eine drastische Kürzung seiner Mittel würde die Sichtbarkeit anderer Sportarten als Fussball oder Eishockey erheblich verringern und die diskutierten strategischen Wege gefährden.
In Memoriam
Das Jahr 2025 wurde durch den Verlust bedeutender Persönlichkeiten überschattet. Die Legende Charly Bühler, der unumgängliche Aldo Homberger und der ehemalige Meister François Fiol haben die Geschichte unserer Disziplin geprägt. SwissBoxing vergisst ihr Vermächtnis nicht und ehrt ihr Andenken feierlich.
Kurs auf 2026: Aufruf an die aktiven Kräfte
Das Jahr 2026 markiert einen konkreten Fortschritt: Dank der Partnerschaft mit 44er Shop und unserem neuen Sponsor Sting werden die selektionierten A- und B-Kaderathleten ihre Ausrüstung künftig definitiv erhalten. Eine Premiere seit über 15 Jahren!
Ich danke unseren Finanzpartnern, der Loterie Romande und Swisslos, deren Unterstützung für den Schweizer Sport unverzichtbar ist.
Sollten einige unter Ihnen Talente haben, die sie SwissBoxing auf Vereinsbasis zur Verfügung stellen möchten (Social Media Management, Design/Grafik, Fotografie, etc.), schliessen Sie sich uns für eine wirkungsvolle Arbeit an. Kontaktieren Sie mich direkt: president@swissboxing.ch. In SwissBoxing zu investieren, heisst in die Zukunft zu investieren.
Jenseits der Ringe, der Siege und der Herausforderungen ist dieses Jahresende vor allem ein Moment des Teilens. Die Stärke eines Boxers liegt nicht nur in seinen Fäusten, sondern auch in der Balance, die er bei den Menschen findet, die ihn lieben. Ich lade Sie ein, diese kostbaren Momente voll zu geniessen und Sorge zu sich und Ihren Liebsten zu tragen. Möge diese Winterpause Ihnen Erholung und Gelassenheit bringen.
Ich wünsche Ihnen allen wunderschöne Festtage und ein siegreiches Jahr 2026.
Sportlich,
Amir Orfia Präsident, SwissBoxing










