90 Jahre Boxclub Schaffhausen – und das Ende einer grossen Ära

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02.07.2026 17:37 Uhr
Paul Fischbacher / JS

Trainerlegende René Schäppi wird diesen Monat 86 Jahre – und nach beeindruckenden 56 Jahren als Cheftrainer übergibt er nun sein Amt.

Der Boxclub Schaffhausen feiert sein 90-jähriges Bestehen – und gleichzeitig den Abschied einer Persönlichkeit, die den Verein über Jahrzehnte geprägt hat wie kaum eine andere. Mit dem Rückzug von Trainerlegende René Schäppi endet eine Ära, die den Schaffhauser Boxsport weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt gemacht hat.

Als Anfang Jahr rund 3500 Zuschauerinnen und Zuschauer die BBC Arena füllten, um Profiboxer wie Dennis Dauti und Amarildo Bakaj live zu erleben, wurde deutlich: Der Boxsport lebt in Schaffhausen. Kaum jemand hätte sich jedoch vorstellen können, dass die Geschichte des heutigen Boxclubs einst bescheiden in einer Schaffhauser Wirtsstube begann.

Von der Wirtsstube zur nationalen Grösse

Im Herbst 1936 gründeten Arthur Bernasconi und einige sportbegeisterte Kameraden den damaligen «Sport-Club Schaffhausen». Eine feste Trainingsstätte gab es nicht. Trainiert wurde dort, wo gerade Platz vorhanden war – in Gaststuben, Fabrikhallen oder sogar im Zimmer einer Gesangslehrerin.

Trotz schwieriger Bedingungen stellten sich rasch erste Erfolge ein. Mit Aldo Balatti 1940 und Fredi Huguenin 1942 gewann der Verein während des Zweiten Weltkriegs seine ersten Schweizer Meistertitel. In den Nachkriegsjahren entwickelte sich der Box-Club Schaffhausen ( BCS ) zu einer festen Grösse im Schweizer Boxsport. Namen wie Walter Bucher, Godi Imthurn und Paul Guldimann sorgten für zahlreiche nationale Titel und internationale Auftritte.

Besonders die legendäre «60er-Staffel» unter Trainer Otti Hübscher schrieb Vereinsgeschichte. Die Boxabende im Schaffhauserhof waren regelmässig ausverkauft.

Der Mann, der Generationen prägte

Aus dieser erfolgreichen Zeit ging auch ein junger Boxer hervor, der später zur prägenden Figur des Vereins werden sollte: René Schäppi.

1966 gewann er selbst den Schweizer Meistertitel im Federgewicht. Doch seine grössten Erfolge feierte er ausserhalb des Rings. Seit 1970 stand Schäppi praktisch ununterbrochen in der Ringecke – als Trainer des Boxclubs Schaffhausen und später auch als Nationaltrainer.

Unter seiner Anleitung entwickelten sich zahlreiche Talente zu Spitzenboxern. Seine bekanntesten Schützlinge waren der Thurgauer Stefan Angehrn, Claudio Lubrano und auch der heutige Vereinspräsident Paul Fischbacher, dreifacher Schweizer Meister im Schwergewicht, zählt zu den Boxern, die entscheidend von Schäppis Erfahrung profitierten.

Doch Schäppi war weit mehr als Trainer. In schwierigen Zeiten übernahm er teilweise nahezu sämtliche Vereinsaufgaben gleichzeitig und führte den Club durch sportliche und organisatorische Krisen. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz wäre die Geschichte des Boxclubs Schaffhausen wohl anders verlaufen.

Boxen als Lebensschule

Selbst jenseits des 80. Altersjahres dachte René Schäppi lange nicht an einen Rücktritt. Noch in den vergangenen Jahren stand er drei mal wöchentlich in der Trainingshalle und engagierte sich besonders für junge Geflüchtete aus verschiedenen Nationen.

Sein Credo blieb stets dasselbe: «Boxen ist eine Lebensschule.»

Mit Geduld und Disziplin vermittelte er weit mehr als sportliche Techniken. Für viele junge Menschen wurde er zum Vorbild.

Erfolgreiche Gegenwart und optimistische Zukunft

Auch die jüngere Vereinsgeschichte kann sich sehen lassen. Unter den Präsidenten Claudio Lubrano, Martin Weibel und seit 2022 Paul Fischbacher gelang es dem Verein, den Boxsport wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Zu den Höhepunkten zählen die Schweizer Jugendmeisterschaften 2019, der Nationencup 2023 in der BBC Arena sowie die Rückkehr von Profikämpfen nach Schaffhausen in den Jahren 2024, 2025 und 2026 erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten.

Heute trainieren rund 80 Sportlerinnen und Sportler im Boxclub Schaffhausen. Eine neue Generation lizenzierter Boxer steht bereit, und mit Trainern wie dem Gächlinger Profiboxer Dennis Dauti und vier weiteren Hilfstrainern sind die Weichen für die Zukunft gut gestellt.

Ein Jubiläum mit Wehmut

Das 90-jährige Jubiläum ist deshalb weit mehr als nur ein Blick zurück auf zahlreiche Titel und sportliche Erfolge. Es markiert zugleich den Abschied eines Mannes, dessen Name untrennbar mit dem Boxsport in Schaffhausen verbunden bleibt.

René Schäppi übergibt sein Amt als Cheftrainer – seine Spuren jedoch werden den Boxclub Schaffhausen noch lange begleiten.

 

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