Der bei SwissBoxing lizenzierte Profiboxer Yoann Kongolo erhält von der European Boxing Union erneut die Chance, um den EBU-Silbertitel im Halbschwergewicht zu kämpfen. Sein Gegner wird der Italiener Eros Seghetti sein. Der Titel ist derzeit vakant; Datum und Austragungsort des Kampfes stehen noch nicht fest, da sich die beiden Lager in Vertragsverhandlungen befinden.
Der 38-jährige Waadtländer weist eine Profibilanz von 18 Siegen, drei Niederlagen und zwei Unentschieden auf. Dass Yoan Kongolo auch auf international hohem Niveau konkurrenzfähig ist, stellte er am 11. Juni 2026 im kanadischen Québec eindrücklich unter Beweis. Gegen den ungeschlagenen türkisch-kanadischen Spitzenboxer Mehmet Unal, der zur erweiterten Weltspitze im Halbschwergewicht zählt, zeigte Kongolo über zehn Runden eine beinahe heroische Leistung.
Der intensive und ausgeglichene Kampf endete offiziell mit einem Mehrheits-Unentschieden. Zwei Punktrichter werteten die Begegnung mit 95:95, während der dritte Kongolo mit 96:94 vorne sah. Nach Ansicht zahlreicher Beobachter schmeichelte das Unentschieden jedoch eher Unal. Kongolo landete über weite Strecken die klareren und wirkungsvolleren Treffer und brachte den hoch eingeschätzten Favoriten an den Rand seiner ersten Niederlage.
Mit seiner starken Vorstellung in Kanada hat Kongolo nachdrücklich bewiesen, dass mit ihm weiterhin zu rechnen ist. Nun bietet sich ihm die nächste grosse Gelegenheit: Im Kampf gegen Eros Seghetti geht es um den vakanten EBU-Silbergürtel im Halbschwergewicht. Die offizielle EBU-Rangliste vom Juli 2026 führt den Silbertitel als vakant, Seghetti als Herausforderer und Kongolo auf Platz 15 der europäischen Rangliste.
Ein gefährlicher und erfahrener Gegner
Der 32-jährige Eros Seghetti stammt aus Ascoli Piceno und weist eine Bilanz von 13 Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden auf. Der Italiener ist ein erfahrener, taktisch versierter Ringfuchs, der seine Kämpfe überlegt führt und auf Fehler seines Gegners zu warten versteht. Kongolo darf ihn deshalb unter keinen Umständen unterschätzen.
Aufgrund seiner internationalen Erfahrung, seiner Schlagkraft und seiner aussergewöhnlichen physischen Voraussetzungen muss sich Kongolo vor Seghetti jedoch keineswegs verstecken. Zeigt der Schweizer eine ähnlich konzentrierte und entschlossene Leistung wie gegen Mehmet Unal, besitzt er alle Voraussetzungen, den EBU-Silbergürtel zu gewinnen.
Der Silbertitel soll nur eine Zwischenstation sein
Kongolos Ziel ist klar: Nach dem Relaunch seiner Karriere mit einem neuen Manager will er noch einmal bis ganz an die Spitze gelangen. Der Kampf um den EBU-Silbertitel soll dabei nicht die Endstation, sondern lediglich eine wichtige Zwischenetappe sein.
Ein Sieg über Seghetti dürfte Kongolo in der europäischen Rangliste einen bedeutenden Schritt nach vorne bringen. Die Chancen wären gut, dass er anschliessend bis auf den vierten Rang der EBU-Rangliste im Halbschwergewicht vorstossen könnte. Damit würde er sich in eine ausgezeichnete Ausgangslage bringen, um in absehbarer Zukunft auch einen Kampf um den prestigeträchtigen Europameistertitel der EBU anzustreben.
Kongolo möchte damit in die Fussstapfen jener Schweizer Profiboxerinnen und Profiboxer treten, die in der Vergangenheit den vollwertigen EBU-Europameistertitel gewinnen konnten. Bei den Männern gelang dies Albert Badoud im Weltergewicht, Louis Clément im Halbschwergewicht, Maurice Dubois im Bantamgewicht, Fritz Chervet im Fliegengewicht und Mauro Martelli im Weltergewicht. Chervet errang den Europameistertitel sogar zweimal. Bei den Frauen trugen Ornella Domini im Weltergewicht und Nicole Boss im Leichtgewicht den EBU-Europameistergürtel.
Besonders passend wäre ein Erfolg Kongolos auch aus historischer Sicht: Mit Louis Clément brachte die Schweiz bereits einen EBU-Europameister im Halbschwergewicht hervor. Kongolo könnte nun – mehr als ein Jahrhundert später – den Versuch unternehmen, an diese grosse Schweizer Boxtradition anzuknüpfen.
Noch einmal ganz nach oben
Yoann Kongolo befindet sich im Spätherbst seiner langen und vielseitigen Kampfsportkarriere. Seine Leistung gegen Mehmet Unal hat jedoch gezeigt, dass sein zweifellos vorhandenes grosses Potenzial weiterhin vorhanden ist und er selbst gegen international hoch eingestufte Gegner bestehen kann.
Es bleibt zu hoffen, dass Kongolo dieses Potenzial in den entscheidenden kommenden Kämpfen voll ausschöpfen kann – und dass ihm neben dem notwendigen Wettkampfglück auch faire und kompetente Punktrichter zur Seite stehen werden.
SwissBoxing wünscht dem sympathischen Waadtländer bereits heute viel Erfolg im Kampf um den vakanten EBU-Silbertitel und auf seinem weiteren Weg in Richtung Europameisterschaft.



